Antikommunismus

Vor einigen tagen war beim wirtschaftsphosophen ein artikel zur abstimmung des bundestages in sachen griechenland rettungspaket zu lesen (link). In der folge entspann sich eine debatte über die partei, die im bundestag als einzige geschlossen gegen das rettungspaket gestimmt hat – DIE LINKE.

Eigentlich war es nur eine randbemerkung in dem artikel. Eigentlich ging es darum, dass der bundestag über ein sogenanntes rettungspaket für griechenland abgestimmt hat und dabei die grenzen zwischen regierung und opposition verschwimmen. Bis auf DIE LINKE. Irgendwie konnte es der Wirtschaftsphilosph aber nicht lassen die partei als „SED-Nachfolgepartei“ zu bezeichnen. Eigentlich geschenkt, eigentlich die übliche stichelei. Aber es wurde in den kommentaren nachgelegt.

Da wurde kräftig polemisiert mit zweifelhaften vergleichen von links und rechts. Wie dem auch sei, persönlich musste die diskussion am ende niemand nehmen (was bei dem thema bei leibe keine selbstverständlichkeit ist).

ABER: Diese diskussion ist exemplarisch für einen antikommunismus den ich für einigermaßen daneben halte. Man mag der LINKEn ja vielleicht vorwerfen, dass sie sich nicht angemessen mit ihrer eigenen geschichte auseinandersetzt (dazu auch ein artikel des wirtschaftsphilosophen (link)). Man mag der LINKEn vielleicht vorwerfen, dass sie mit ihren konzepten falsch liegt – aus welchen mir unverständlichen gründen auch immer. Eine solche kontroverse führe ich gerne. Warum aber in aller welt dieser dogmatismus? Warum, ein seitenhieb gegen eine fraktion die einmal so abgestimmt hat, wie man es selbst für richtig hält, wenn auch aus anderen gründen? Ganz einfach: ein guter antikommunistischer reflex. Immer dann wenn linke positionen sich in einzelfragen mit denen andere positionen (z.b. ordoliberaler) überschneiden, kann nicht sein was nicht sein darf. Und dann wird kräftig in eine richtung polemisiert die mit der sache selbst nichts mehr zu tun hat.

Da steht der wirtschaftsphilosoph aber keineswegs alleine da. Vielmehr scheint dies ein muster zu sein. Immer wieder wird versucht DIE LINKE in einen kontext zu stellen in dem es irgendwie logisch erscheint, dass linker und rechter „extremismus“ ja am ende genauso gefährlich sei. Das rezept ist dabei immer wieder das gleiche: es wird der vergleich zwischen rechten und linken diktaturen gezogen mit dem ziel deutlich zu machen, dass gewaltherrschaft von links oder rechts sich im grunde der gleichen methoden bedient. Den höhepunkt hat dabei in letzter zeit sicher die bundestagsabgeordnete Erika Steinbach (CDU) auf twitter geliefert, als sie sich zu der behauptung verstieg, dass die NSDAP eine linke partei gewesen sei (link). Das ziel solcher argumentationen ist dabei immer entscheidende unterschiede zwischen links und rechts im politischen spektrum zu verwischen. Da spielt es keine rolle, dass linke sich hierzulande gegen rassismus und fremdenfeindlichkeit einsetzen, da spielt es keine rolle, das die linke arbeiterbewegung sich immer auch als internationale verstand. Sicher hat das alles mit dem terror Stalins wenig zu tun, aber genau diese feststellung wird von einigen immer wieder gern unterschlagen. Stattdessen wird DIE LINKE eben bewusst durch die bezeichnung als SED-nachfolgepartei in einen kontext gestellt, der mit ihrer gegenwart als linke partei nur noch wenig zu tun hat.

In einer zeit in der das vorherrschende kapitalistische system in einer tiefen krise ist, verwundert es aber kaum, dass diejenigen die nach alternativen suchen, von apologeten eines radikalen marktliberalismus und von ewig gestrigen mit einem antikommunismus belegt werden, der an die heißesten tage des kalten krieges erinnert. Ein wenig abrüstung wäre vielleicht angebracht. Wenn schon nicht bei den Erika Steinbachs der Stahlhelmfraktion, so vielleicht von den intelektuellen liberaler prägung. Die revolution steht noch nicht vor der tür.

3 Gedanken zu “Antikommunismus

  1. Sorry, aber das ist zu wenig.

    Die Grundintuition teile ich: natürlich gibt es „entscheidende unterschiede zwischen links und rechts im politischen spektrum“ und die sollen oft durch billige Polemik verwischt werden.
    Zugleich ist es legitim und interessant alle möglichen Ähnlichkeiten und Unterschiede herauszuarbeiten, egal ob zwischen (Markt-)Liberalen und der NSDAP, ob zwischen Ökö-Natur-Grünen und NSDAP oder eben auch zwischen Linken und der NSDAP.“ Nur weil „linke sich hierzulande gegen rassismus und fremdenfeindlichkeit einsetzen“ und „die linke arbeiterbewegung sich immer auch als internationale verstand“ heißt das noch lange nicht, dass es nicht auch Gründe dafür gibt (gab), dass eine sich links gebende Bewegung in den Sowjetkommunismus und Stalinismus mündete. Es gibt eben doch eine problematische Verbindung zum Terror Stalins.
    Man kann gegen die billige Polemik und Vereinfachungen bezüglich totalitärer Systeme nur ankommen, wenn man gerade als Linker offen darüber reflektiert wieso linkes Denken ganz leicht in Richtung einer Rechtfertigung von autoritärer Herrschaft abgleiten kann. „Leicht kann“ heißt natürlich nicht „muss“.

    • Hm. Dem hab ich auch gar nicht widersprochen. Mir ging es gerade nicht darum zu ergründen wie linke bewegungen in totalitäre systeme abgleiten können. Tatsächlich muss man sich diese frage stellen, weshalb ich ja auch schrieb ich auch: „Man mag der LINKEn ja vielleicht vorwerfen, dass sie sich nicht angemessen mit ihrer eigenen geschichte auseinandersetz […] Eine solche kontroverse führe ich gerne.“ Insofern hast du recht.

      • OK, wir sind uns also soweit einig.

        Ich denke, was noch ganz interessant ist, ist die Frage, inwieweit solche Polemiken wie die „SED-Nachfolgepartei“ oder die „neo-liberale Besserverdienerpartei FDP“ bei der alltäglichen politischen Auseinandersetzung insbesondere im Wahlkampf normal und irgendwie akzeptabel sind oder nicht. Bei seriösen inhaltlichen Auseinandersetzungen, insbesondere wenn es in Richtung wissenschaftlicher Analyse geht, sind sie es sicher nicht.

        Das ist so ein Lieblingsthema von mir: Was sind realistische Kriterien/Ansprüche für Alltagspolitik? Deutsche Wissenschaftler gehen da häufig mit einer Einstellung ran, dass es dort (z.B. auch beim Thema Euro) um eine Auseinandersetzung darüber geht, was in einer abstrakten, rationalen Welt theoretisch das Beste wäre. Das ist zwar auch eine interessante Frage, verfehlt aber ein wenig die reale Lage in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung – die immer auch ein Kampf und nicht nur ein Gespräch ist.

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