Walking debt beim Festival der Rabulistik

Ein Debattenbeitrag zu aktuellen Entwicklung in Griechenland

dringend Marx

Griechenland: Worum ging es überhaupt?

Zunächst sollte man verstehen was überhaupt verhandelt wurde zwischen der griechischen Regierung und der Eurogruppe. Im Kern ist Griechenland gegenwärtig nicht in der Lage seinen Schuldendienst zu bedienen. Man könnte sagen, das Land ist zahlungsunfähig. Damit es nicht tatsächlich soweit kommt, wurden Griechenland Kredite von den Staaten der Eurogruppe (genau genommen des European System of Financial Supervision) und des IWF zur Verfügung gestellt. Allerdings unter der Auflage ein hartes neoliberales Anpassungsprogramm durchzuführen, das im Kern darauf abzielt Löhne und Gehälter in Griechenland soweit abzusenken, dass private Investitionen in Griechenland attraktiver werden und die Wirtschaft wieder wächst. Im Ergebnis soll, so das neoliberale Wunschdenken, sich Griechenland nach einer Rosskur wieder erholen.

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Falschmünzer?!

Gegenwärtig tobt in der öffentlichkeit ein streit um die geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Begonnen hatte den reigen der unsäglichen veröffentlichungen das duo Dobrindt (CSU) und Döring (FDP) in der Bild“zeitung“. Den titel des Spiegel zierte dann das bild des aktuellen bundesbankpräsidenten Weidmann, über dessen angebliche rücktrittsdrohung dann am freitag wiederum die Bild berichtete. Erstaunlich – aber mit worten wie falschmünzerei und inflation meint die deutsche presse offenbar auflage machen zu können.

Tatsächlich ist das doppelinterview von Alexander Dobrindt und Patrick Döring (link) eine seltsame mischung aus deutschtümelnder besserwisserei und geldpolitischer ideologie. gern wird da mal wieder über den austritt griechenlands aus dem euroraum schwadroniert oder der chef der EZB als „Falschmünzer“ bezeichnet. Worum es geht: die frage, ob die EZB anleihen europäischer staaten kaufen soll. dadurch will sie den druck auf die staaten verringern, denen sonst nur zu horrend hohen zinsen am kapitalmarkt geld geliehen wird. Konkret dürfte es um die bekannten krisenstaaten gehen. Das ist im grunde nichts neues, das hat die EZB auch in den vergangenen monaten bereits getan. Wohlgemerkt gegen der willen der deutschen bundesbanker, die im EZB-Rat vertreten sind. Axel Weber nahm in letzter konsequenz sogar seinen hut als chef der deutschen bundesbank. Weiterlesen

Hegel bemerkte irgendwo…

„Hegel bemerkte irgendwo, dass alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen, hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce.“ (Der achtzehnte Brumaire des  Louis Bonaparte. MEW 8, S. 115, 1852)

Diese bekannte zitat von Karl Marx scheint die situation in der sich Europa gerade befindet ganz gut zu beschreiben. Bemerkenswert an dieser interpretation ist, dass sie sich gerade bei einigen kommentatoren durchzusetzen scheint. Besonders drastisch hat dies Fabian Lindner im Herdentrieb bereits im november letzen jahres beschrieben (link). Jakob Augstein dürfte mit seinem Artikel „Europa ist Weimar“ bei SPON (link) ein weiteres stück dazu beitragen, dass der historische vergleich ein wenig populär wird. Und tatsächlich wirkt es wenn man sich etwa die letzten artikel bei wiesaussieht durchliest so, als wäre einiges kaputt (link, link, link)

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Uni Frankfurt ohne Irrelevanz? (Update)

Die Goethe Universität Frankfurt hat in der vergangenen woche bekannt gegeben, dass sie die liegenschaft Kettenhofweg 130 verkauft hat. So irrelevant wie sich das auf den ersten blick anhört ist das aber leider nicht.

Eine klamme uni verkauft ein gebäude um ein anderes neu bauen zu können. Soweit, so gut – könnte man meinen. Nur bleibt bei einem verkauf die frage, was man mit den bisherigen nutzer_innen macht.
Das gebäude im Kettenhofweg 130 befand sich einst das Instituts für England- und Amerikastudien der Goethe Uni. Danach stand das gebäude einige zeit leer, wurde aber im dezember 2003 wieder einer nutzung zugeführt – illegal. Studierende besetzten das gebäude um einen freiraum zu schaffen in dem „Die verschiedenen Zugänge über Universität, Kunst, Kultur und Politik […] verschiedenen Gruppen und Personen eine umfassende Beschäftigung mit diversen gesellschaftskritischen Themen [ermöglichen].“ (link) Das Institut für vergleichende Irrelevanz (IVI) war geboren.


Institut für vergleichende Irrelevanz – MyVideo

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