Uni Frankfurt ohne Irrelevanz? (Update)

Die Goethe Universität Frankfurt hat in der vergangenen woche bekannt gegeben, dass sie die liegenschaft Kettenhofweg 130 verkauft hat. So irrelevant wie sich das auf den ersten blick anhört ist das aber leider nicht.

Eine klamme uni verkauft ein gebäude um ein anderes neu bauen zu können. Soweit, so gut – könnte man meinen. Nur bleibt bei einem verkauf die frage, was man mit den bisherigen nutzer_innen macht.
Das gebäude im Kettenhofweg 130 befand sich einst das Instituts für England- und Amerikastudien der Goethe Uni. Danach stand das gebäude einige zeit leer, wurde aber im dezember 2003 wieder einer nutzung zugeführt – illegal. Studierende besetzten das gebäude um einen freiraum zu schaffen in dem „Die verschiedenen Zugänge über Universität, Kunst, Kultur und Politik […] verschiedenen Gruppen und Personen eine umfassende Beschäftigung mit diversen gesellschaftskritischen Themen [ermöglichen].“ (link) Das Institut für vergleichende Irrelevanz (IVI) war geboren.


Institut für vergleichende Irrelevanz – MyVideo

Die studierenden schufen sich eine nische, jenseits des üblichen universitätsbetriebes. Bereits 2009 sollte damit aber schon einmal schluss sein. Das gebäude das die universität ursprünglich sogar abreißen wollte schien verkauft zu werden. Damals berief sich die Uni Leitung auf eine vereinbarung in der es hieß, dass die besetzer_innen das gebäude freiwillig räumen würden, wenn die uni ihnen eine angemessene vorlaufzeit ließe (Quelle: link).

Offensichtlich kam es damals nicht zum verkauf. Die uni suchte also weiter nach interessenten und wurde wohl auch fündig. Die unileitung teilte per pressemitteilung mit, dass man das gebäude nun an einen interessenten verkaufen würde, der bereit sei die besetzung in ein mietverhältnis umzuwandeln. Ob die besetzer_innen eine ortsübliche miete für ein deratiges gebäude im Frankfurter Westend aufbringen können – ich habe meine zweifel. Wie eine besetzung von Frankfurter unigebäuden enden kann hat man zuletzt im oktober 2011 gesehen:

Die unileitung zeigt sich der kritik, der besetzer_innen (link ) und des astas gegenüber aber resistent:

„Bei Gebäuden, die sich in Besitz der Universität befinden und die illegal besetzt sind, besteht aus unserer Sicht keine Verpflichtung, bei einem anstehenden Verkauf um Erlaubnis zu fragen.“ (Quelle: link) – von absprachen offensichtlich keine rede mehr.

Die besetzer_innen wissen wohl noch nicht wie es weitergehen soll und wenden sich in einem offenen brief an landesregierung und unileitung (link). Interessant ist, dass sie auch die landesregierung als adressaten sehen. Rechtfertigt die uni den verkauf doch gerade mit der angespannten finanzlage – und für die ist durchaus die landesregierung verantwortlich (link).

Vielleicht tut sich ja noch was und es findet sich eine lösung, eine onlinepetition findet sich auf jeden fall schon mal hier (link)

Update:

Mittlerweile berichten F.A.Z. (link) und Frankfurter Rundschau (link), dass das gebäude des ivi an einen finanzinvestor verkauft worden sei, der immobilien im frankfurter westend aufkauft. Gegenüber der F.A.Z. erklärte der Mieterschutzbund, dass es zum geschäftsmodell der firma gehöre, wohnhäuser aufzukaufen und die mieten auszureizen. Ob die besetzer_innen des IVI eine „ausgereizte“ miete im frankfurter westend bezahlen könnten darf man bezweifeln.

Die sind unterdessen aber einerseits ziemlich vor den kopf gestoßen von der kommunikation der unileitung, geben sich aber in ihrer erklärung noch nicht geschlagen (link):

„Die inhaltliche Arbeit im Institut wird trotz der ungewissen Zukunft fortgesetzt. In den nächsten Wochen finden Veranstaltungen, Konzerte und Ausstellungen statt, die nächste Gegenuni zum Thema Utopie wird im April beginnen und die Programmplanung für die kommenden Monate hat bereits begonnen. Zudem haben die Nutzer_innen des Institutes in den lezten Tagen breite Unterstützung bekommen. Eine Online Petition zum Erhalt des Institutes für vergleichende Irrelevanz, die von den Engagierten erstellt wurde, haben in kurzer Zeit bereits über 1200 Menschen unterzeichnet“

Ein Gedanke zu “Uni Frankfurt ohne Irrelevanz? (Update)

  1. Eigene Meinung und kritische Analyse von gesellschaftlichen Verhältnissen findet im Neoliberalismus eben keinen „Wert“ und daher auch keinen Raum :(.

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